| Kenneth
Sparr hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Gedicht
von ihm entdeckt worden sei und möchte einen Link auf seine Homepage,
die durch klicken auf seinen Namen erreicht werden kann.
Johann Ulrich von König (1688-1744).
Dieses Gedicht wurde anläßlich der Geburt des sächsischen
Prinzen und der Rückkehr Friedrich Augusts I. 1720 geschrieben.
Ein Schäfer-Gedicht auf die hohe Geburt
eines Chur.-Sächs. Printzen, bey zugleich glücklich erfolgter
Zurückkunft Sr. Majestät unsers allergnädigsten Königs
Die handelnden Personen dieses Gedichts sind die drei Schäfer
Seladon, Hulderich und Elban
Seladon:
Jetzt wollen
wir die Pfeiffen
Abwechselnd
zum Gesang ergreiffen.
Hört! wie
ich mich mit geschwollnen
Wangen
bereits den
rechten Thon zu suchen
Aber Hulderich hat Einwände und spricht:
Die alter Leyer
weg! die Pfeiffen
hiervon!
Hier gilt kein
bäurischer kein
Regel-loser
Thon.
Es soll nur
Silvius darzu die Laute
spielen. (1)
Der so spielt,
wann er spielt, dass
es die Herzen
fühlen.
Er ist an Aendrungen
ganz uner-
schöpflich
reich,
Und sich in
seiner Kunst nur einzig
selber gleich.
Wann er nachlässig
seine Saiten
Mit leichter
Hand nur obenhin be-
rührt,
Und, nach unzähligen
Annehmlich-
Keiten
Alsdenn verstärkt
durch ein hell-
klingend streiten,
Den Wohllaut
und die Kunst in sol-
chen Lustkampf
führt,
Dass selbst
sein thönend Holz davon
sich muss erschüttern,
So bebt das
Herz vor Lust, wie seine
Saiten zittern.
Wann aber denn
der Thon ersterbend
sich verliehrt,
Er auch durch
klägliche verliebte
Schmeicheleyen,
Durch immer
wechselnde stets fremde
Zaubereyen,
Durch manschem
falschen Gang
des Hörers
Ohr betrügt,
Und selbst durch
den Betrug noch
künstlicher
vergnügt,
Bald seufzend
bebt, bald schwebend
stille liegt;
Und oft den
Klang erst schärft, in-
dem er scheint
zu schweigen,
So hält
man bey sich selbst den
Athem ängstlich
an,
Damit den Ohren
ja kein Thon ent-wischen kan.
Oft überrascht
er uns durch wunder-
schnelles Steigen,
Antwortet oft
sich selbst mit nach-
geahmten Schall,
Und macht durch
sanftern Griff den
Schönsten
Wiederhall.
Will aber er
den Klang verdoppeln
und vermehren,
So weiss, wie
ihm geschieht, der
Hörer nicht:
So misstraut
man dem Gesicht,
Und glaubt hier
mehr als einem zu-hören.
Kurz: Zwischen
Lust, Verwunderung
und Ruh,
Vergisst man
sich, und hört ihm zu.
So sagte Hulderich,
und von den
andern beyden
Sprach jeder:
ja! und brach sein
Rohr entzwey
mit Freuden.
Weg! rieffen
sie: mit Pfeiffen und mit Rohr,
Nur Silvius
spielt recht für ein so
zartes Ohr...
(1) ( Silvius ist der Taufnahme des Königl. Cammer,Musici und
be- rühmten Lautenisten, Mons. Weissens. ).
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