Ein Gedicht über den größten Lautenisten aller Zeiten 
Sylvius Leopold Weiß 
 
 
Thomas Schall,Niederhofheimer Weg 3, D-65843 Sulzbach,  
Tel.: 06196-74519 
E-Mail: Thomas.Schall@Rhein-Main.net 

 

 
 
Kenneth Sparr hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Gedicht von ihm entdeckt worden sei und möchte einen Link auf seine Homepage, die durch klicken auf seinen Namen erreicht werden kann. 

     Johann Ulrich von König (1688-1744). Dieses Gedicht wurde anläßlich der Geburt des sächsischen Prinzen und der Rückkehr Friedrich Augusts I. 1720 geschrieben. 
Ein Schäfer-Gedicht auf die hohe Geburt     eines Chur.-Sächs. Printzen, bey zugleich glücklich erfolgter Zurückkunft Sr. Majestät unsers allergnädigsten Königs 
Die handelnden Personen dieses Gedichts sind die drei Schäfer Seladon, Hulderich und Elban 

Seladon: 

          Jetzt wollen wir die Pfeiffen 
          Abwechselnd zum Gesang ergreiffen. 
          Hört! wie ich mich mit geschwollnen 
          Wangen 
          bereits den rechten Thon zu suchen 

Aber Hulderich hat Einwände und spricht: 

          Die alter Leyer weg! die Pfeiffen 
          hiervon! 
          Hier gilt kein bäurischer kein 
          Regel-loser Thon. 
          Es soll nur Silvius darzu die Laute 
          spielen. (1) 
          Der so spielt, wann er spielt, dass 
          es die Herzen fühlen. 
          Er ist an Aendrungen ganz uner- 
          schöpflich reich, 
          Und sich in seiner Kunst nur einzig 
          selber gleich. 
          Wann er nachlässig seine Saiten 
          Mit leichter Hand nur obenhin be- 
          rührt, 
          Und, nach unzähligen Annehmlich- 
          Keiten 
          Alsdenn verstärkt durch ein hell- 
          klingend streiten, 
          Den Wohllaut und die Kunst in sol- 
          chen Lustkampf führt, 
          Dass selbst sein thönend Holz davon 
          sich muss erschüttern, 
          So bebt das Herz vor Lust, wie seine 
          Saiten zittern. 
          Wann aber denn der Thon ersterbend 
          sich verliehrt, 
          Er auch durch klägliche verliebte 
          Schmeicheleyen, 
          Durch immer wechselnde stets fremde 
          Zaubereyen, 
          Durch manschem falschen Gang 
          des Hörers Ohr betrügt, 
          Und selbst durch den Betrug noch 
          künstlicher vergnügt, 
          Bald seufzend bebt, bald schwebend 
          stille liegt; 
          Und oft den Klang erst schärft, in- 
          dem er scheint zu schweigen, 
          So hält man bey sich selbst den 
          Athem ängstlich an, 
          Damit den Ohren ja kein Thon ent-wischen kan. 
          Oft überrascht er uns durch wunder- 
          schnelles Steigen, 
          Antwortet oft sich selbst mit nach- 
          geahmten Schall, 
          Und macht durch sanftern Griff den 
          Schönsten Wiederhall. 
          Will aber er den Klang verdoppeln 
          und vermehren, 
          So weiss, wie ihm geschieht, der 
          Hörer nicht: 
          So misstraut man dem Gesicht, 
          Und glaubt hier mehr als einem zu-hören. 
          Kurz: Zwischen Lust, Verwunderung 
          und Ruh, 
          Vergisst man sich, und hört ihm zu. 
          So sagte Hulderich, und von den 
          andern beyden 
          Sprach jeder: ja! und brach sein 
          Rohr entzwey mit Freuden. 
          Weg! rieffen sie: mit Pfeiffen und mit Rohr, 
          Nur Silvius spielt recht für ein so 
          zartes Ohr... 

(1) ( Silvius ist der Taufnahme des Königl. Cammer,Musici und be- rühmten Lautenisten, Mons. Weissens. ). 
 
 
 
 
 
 
 

Laute