St.Gallener Zeitung

Galante Saitensprünge

Das Duo Jürg Meili & Thomas Schall  erinnert an vergessene Lautenvirtuosen

Mit der Romantik heimlicher Ständchen wird die Laute oft verbunden - das Repertoire des Instruments ist jedoch immens und anspruchsvoll. Thomas Schall und der St.Gallener Gitarrenlehrer Jürg Meili haben Lautenduette aus dem Spätbarock auf CD eingespielt.

von Bettina Kugler

Wunderkinder waren sie in ihrer Zeit, sie konnten es mit ihrem in der Technik diffizilen Instrument bei den beliebten Wett-Improvisationen auch mit Cembalovirtuosen wie Johann Sebastian Bach aufnehmen - und doch gerieten ihre Namen zunächst für lange Zeit in Vergessenheit. Erst in dem neu erwachten Interesse an Alter Musik in den letzten Jahrzehnten begann auch eine Renaissance der Lautenmusik, die ihre Blüte im 16. und 17.Jahrhundert in England, Frankreich und Italien erlebt und später Musiker wie Adam Falckenhagen, Joachim Bernhard Hagen und Sylvius Leopold Weiss hervorbrachte.

Nur Sylvius ...

Mit Weiss, einem gefeierten Zeitgenossen Bachs, ging die grosse Zeit der Laute zu Ende. Sein Epitaph, "Es soll nur Sylvius die Laute spielen", wurde von Nachfahren allzu wörtlich genommen. Der Siegeszug der Tasteninstrumente begann, die Gitarre lief der Laute den Rang als Modeinstrument ab. Geblieben sind eine Fülle von Tabulaturen, in Griffschrift notierte Lautenkompositionen, die größtenteils noch ihre Wiederentdeckung harren.

Pionierarbeit auf dem Gebiet der Lauten-Renaissance leisten der St.Galler Gitarrenlehrer Jürg Meili und sein Duo-Partner Thomas Schall - mit einer CD, die Werke aus der Reifezeit des Instruments grösstenteils zum ersten Mal auf Tonträger präsentiert. Getroffen haben sich die beiden vor drei Jahren bei einem Treffen der Deutschen Lautengesellschaft. Seither widmen sie sich gemeinsam den kaum mehr bekannten Schätzen, die aus der Zeit höfischer Geselligkeit überliefert sind. Gespielt wird auf Instrumenten, die originalen 13-chörigen Barocklauten nachgebaut sind.

"Feine Music"

Die Aufnahme versammelt zwei Generationen spätbarocker Lautenvirtuosen, was gemessen an der lang anhaltenden Vorrangstellung der Laute in der europäischen Musik als eng gestreckter Raum erscheint. Der differenzierte Zugriff der Musiker auf die Kompositionen von Corigiani, Adam Falckenhagen, Joachim Bernhard Hagen, Sylvius Leopold Weiss und Johann Gleimius lässt diese Zeit freilich beim zweiten und dritten Hören als Umbruchphase von erstaunlicher stilistischer Bandbreite erscheinen: zwischen der virtuosen Strahlkraft Falckenhagens, dessen Duetto in F an die perlenden Figurationen Vivaldis erinnert, und der intimen Sonata des jüngeren Gleimius haben sich die Zeiten und der Geschmack des Publikums merklich verändert.

Für beide aber gilt, was Bachs Sohn Friedemann über eine Begegnung des Vaters mit Sylvius Leopold Weiss berichtet: Es soll "zu der Zeit etwas extra feines von Music passieret" sein. Die Aufnahme vermittelt einen lebendigen Eindruck davon.