Thomas Schall - Biedermeiergitarre und Vihuela

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Vorbemerkung
Diese Seite ist im Aufbau und sie wird ständig erweitert. Schauen Sie doch mal wieder vorbei!

Ich danke Wolfgang Emmerich und Frank-Peter und Markus Dietrich für die Erlaubnis, Bilder ihrer Instrumente zu verwenden.


Das Instrument
Was unter dem Begriff Biedermeier- oder romantische Gitarre firmiert, bezeichnet ein Instrument, das sich Ende des 18.Jahrhunderts aus der Barockgitarre entwickelte. Die Instrumente von Pages stellen ein Zwischenelement dar, welches im Spanien in der Mitte des 18.Jahrhunderts entstanden und mit 6 Chören bespannt war im Gegensatz zu der Barockgitarre, die mit 5 Chören bezogen war. Der junge Fernando Sor hat sicher noch auf einem solchen Instrument gespielt. Mit einzelnen Saiten bespannt waren dann die italienischen Instrumente von Fabricatore, die reich verziert waren und in der Form noch sehr stark an Barockgitarren erinnerten, allerdings keine Rosetten mehr aufwiesen, wie sie für die Barockgitarre üblich waren sondern das leere Schallloch, wie wir es von modernen Gitarren her kennen.

Barockgitarre, geb. von Wolfgang Emmerich, Berlin

Barockgitarre, geb. von Markus Dietrich, Erlbach
Typisch für romantische Gitarren ist der wie ein flaches U geformte Steg, der oft reich verziert war (zum Beispiel bei den Gitarren von Stauffer) und die stärker eingeschnittene "Taillie". Oft stehen auch mehr Bünde zur Verfügung. Die Mensuren bewegen sich zwischen 62 und 67 cm, typischerweise um 64,5 cm, was der heutzutage auf Konzertgitarren üblichen Mensur sehr nahe kommt. Oft wird den Instrumenten fälschlicherweise unterstellt, sie seien leiser als Konzertgitarren, was durch den durch den Obertonreichtum begründeten anderen Klangcharakter begründet sein mag.
Jedenfalls ist diese Wahrnehmung rein subjektiv.


Die Saiten werden üblicherweise nicht, wie bei Konzertgitarren üblich, am Steg gebunden sondern mit einem Knopf befestigt.

Viele moderne Replika benutzen Stimmmechaniken anstelle der Stimmwirbel in originalen Instrumenten.

Die Saitenlage der Instrumente ist typischerweise deutlich niedriger als bei modernen Konzertgitarren. Auch die Saitenspannung bewegt sich zwischen 4 und 6 kg pro Saite im Gegensatz zu 8 - 12 für moderne Konzertgitarren.
Biedermeiergitarre nach Thibout,  geb. von Wolfgang Emmerich, Berlin

Die Spielweise

Über die Technik, mit der man Biedermeiergitarren spielen sollte läßt sich trefflich streiten und wurde auch schon zu Zeiten von Sor und Aguado. Während Sor aus der Lautentechnik kam und das Spiel ohne Nägel und mit Benutzung des Ringfingers nur für Akkorde postulierte, empfiehlt Aguado in seiner Schule das Nagelspiel. Man kann sicher mit einigem Recht behaupten, die moderne Gitarrentechnik basiert in der linken Hand auf Sor, während die Rechte sich auf Aguado bezieht.

Für das Spiel der Biedermeiergitarre läßt sich somit keine allgemein verbindliche Aussage treffen. Empfohlen sei aber dennoch eine Beschäftigung mit historischen Schulen sowie der Anwendung auf der Gitarre. Für die Wahl der Anschlagstechnik sollte neben der persönlichen auch die Disposition des Instruments berücksichtigt werden (Darm- oder Nylonsaiten, gewählter Saitenzug, Modell der Gitarre, ...).
Biedermeiergitarre nach Panormo, geb. von Markus Dietrich, Erlbach
Repertoire
Das typische Repertoire der Gitarre waren Opernparaphrasen sowie Variationswerke. Später kamen Miniaturen und Werke in der klassischen Sonatenform hinzu.

Bekannteste Komponisten sind wohl Fernando Sor, Mauro Giuliani, Napoleon Coste und Johann Caspar Mertz, doch gab es hunderte, wenn nicht tausende anderer Komponisten, die ebenfalls gute Werke schrieben. Leider ist die Qualität der Kompositionen auch innerhalb des Werkes eines Komponisten nicht gleich. So steht zum Beispiel Carulli im Ruf, bestenfalls mittelmäßige Musik komponiert zu haben, doch auch bei ihm finden sich einige Perlen, vor allem seine Duos und die Kammermusik sind teilweise bezaubernd.



Original Lacote aus der Sammlung von Wolfgang Emmerich