Der Kampf des Lautinisten gegen die Einsamkeit

Thomas Schall und Jürg Meili entlocken einem alten Instrument galante Töne

Von Kathrin Schwedler

SULZBACH. "Kommt nicht in Frage, Folklore wollen wir nicht in unserer Kirche!", lautete die entsetzte Antwort auf die Frage von Jürg Meili und Thomas Schall, ob sie in der Kirche auftreten dürften. Die beiden Lautinisten waren wieder einmal Opfer einer für das Instrument typischen Verwechslung geworden. Der Pfarrer dachte, es handele sich um die sechssaitige Gitarre mit Rundbauch, mit der Wandervögel singend durch die Lande ziehen.

Der Sulzbacher Thomas Schall und sein langjähriger Partner aus der Schweiz spielen die so genannte mehrchörige Barocklaute. Ein Dutzend und eine Extra-Saite werden mit zehn Fingern und einer besonderen Zupftechnik zum Klingen gebracht. Nur rund 300 Gramm wiegt das - trotzdem stabile - Instrument mit seinen beweglichen Bünden und dem abgeknickten Hals. "Man muss schon so um 2500 Euro pro Stück anlegen", so Schall, der vier Modelle besitzt. Im Brotberuf Programmierer, verdiente er sich während des Studiums als Gitarrenlehrer etwas dazu. "Der Computer bringt halt mehr Geld", erklärt der Sulzbacher, der sich freut, wenn er nach der Arbeit endlich etwas "Vernünftiges" tun und zur Laute greifen kann.

Vor einigen Jahren für den Charme der Laute entbrannt, gründete Schall 1996 die "Deutsche Lautengesellschaft". Die "Einsamkeit des Lautinisten" habe ihn dazu gebracht, das Netzwerk zu gründen. Die inzwischen rund 200 Mitglieder nutzen rege die Möglichkeit, via Web zu fachsimpeln.

Spektakulärstes Ereignis war bisher die Versteigerung einer Original-Barocklaute aus dem Besitz derer von Thurn und Taxis - für stolze 120 000 englische Pfund. Als Wertanlage haben alte Lauten Konjunktur. Thomas Schall kommt richtig in Fahrt, wenn er von Notenfunden auf dem Flohmarkt erzählt. Musikstücke aus der Feder eines Corigniani, Falckenhagen oder Gleimius haben sich immer dann erhalten, wenn sie repräsentativ gebunden waren. "Das wirft man nicht so leicht weg wie lose Blätter", sagt Schall.

Schall hat sich engagiert in die Materie hineingekniet. Sachfragen oder Anekdoten aus der Geschichte des Instruments beantwortet er lässig. Jahrhundertelang sowohl als plätschernde Hintergrundmusik für fürstliche Tafeln als auch bei intimen Konzerten eingesetzt, stimmte zuletzt der Schriftsteller-Komponist E.T.A. Hoffmann einen Schwanengesang auf die Laute an. "Das Instrument konnte technisch nicht weiter verbessert werden", sagt Schall zum Niedergang des Instruments. Komponisten wie Beethoven, Liszt oder Brahms mit ihren Klangwelten fegten den zarten Mehrsaiter förmlich hinweg.

Das Duo Thomas Schall und Jürg Meili, das im Jahr bis zu 30 Konzerte gibt, spielte bei seiner ersten CD ein Repertoire ein, das dem Instrument auf den Leib geschrieben ist: "Galante Lautenduette". Was so luftig klingt, ist für die Interpreten echte Schweißarbeit. Der Treibstoff von Schall für all die Mühen: "Missionarischer Eifer! Die Laute ist das Instrument des 21. Jahrhunderts! Das muss man einfach glauben !"

Kontakt: Duo Schall & Meili, Telefonnummer 0 61 96 / 7 45 19, E-mail: thomas.schall@rhein-main.net