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Die Laute für die leisen Töne Von Uwe Kreuzer Höchst. An den Ständen des Weihnachtsmarkts werden überall die altbekannten Melodien gespielt. Anheimelnd sind sie ja, die alten deutschen Weihnachtslieder, aber zum dritten Mal bei acht Grad Plus "Leise rieselt der Schnee" zu hören, macht einen ein wenig überdrüssig. Aber das Plakat verkündet Abwechslung. Da steht was von "Stille" - ab in die Justinuskirche. In dem alten Gotteshaus sitzt ein Mann mit einem ulkigen Instrument. Erinnert ein bisschen an George Harrison. Wie hieß dieses indische Instrument gleich noch, mit dem der exzentrische Beatle so gerne experimentierte? Sitar, genau. Aber Thomas Schall korrigiert. Laute spielt er. Vorsicht, Kalauer: Die heißt so, weil sie so leise ist. Deswegen ist sie nach der Erfindung des Klaviers und mit der Einführung der großen Orchester beinahe von der musikalischen Weltbühne verschwunden. Einige Liebhaber haben sie in den vergangenen Jahren wiederentdeckt und spielen vor allem Barockmusik. Passt gut in die Justinuskirche, die hat ja auch barocke Bestandteile. Und tatsächlich, Thomas Schalls 45-minütiges Konzert bringt die erhoffte Abwechslung. Ganz leise und unaufdringlich, dabei aber süßlich säuselnd und beinahe hypnotisierend, dringt das einführende Largo von Adam Falckenhagens Sonate in B-Dur ans Ohr. Moderato und Vivace sind typische Barockmusik, bei geschlossenen Augen kann man die Laute fast für ein Spinett halten. Vivace heißt lebhaft. Direkt danach spielt Thomas Schall ein Tombeau. Das ist Trauermusik. Ironie ist auch im Advent was Schönes. Die Musik klingt wie auf die Laute zugeschnitten. In der Tat hat ein zeitgenössischer Komponist, Joachim Peter Sautscheck, das Trauerlied über seinen toten Vater geschrieben. Ergreifend, da tut sich beim Zuhören ein schwarzer Abgrund auf, wie eine offene Grabstätte. Danach erklärt Thomas Schall, dass er jetzt seine Laute stimmen muss, weil das nächste Stück in einer anderen Tonart geschrieben ist, und die Bässe auf der Laute sind nämlich als Tonleiter angeordnet. Und die wechselt ja bei einem Tonartwechsel gleich mit. Dann spielt der gelernte Programmierer - wahrscheinlich ist er deshalb mit den Fingern so schnell - noch ein paar Adventslieder. Draußen erwartet einen dann wieder "Jingle Bells".
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