Musik aus der frühen Barockzeit

Eppstein. Nur wenige können mit den Begriffen Vihuela oder Luito Attiorbato etwas anfangen. Man vermutet hinter den Namen wohl kaum Musikinstrumente. Das war vor etwa 400 Jahren anders: Zu diesem Zeitpunkt zählten die Instrumente zur gängigen Ausrüstung der Zupfmusiker.

Wie die Vihuela und die Luito Attiorbato aussehen, welche Lieder man auf ihnen spielen kann und vor allem, wie sie klingen, konnte man in der Talkirche erfahren: In der Reihe der Abendmusiken nahm der Sulzbacher Thomas Schall unter dem Titel "Música Antigua Mediterránea" rund 30 Interessierte mit auf eine Reise in die frühe Barockmusik. Der erste Teil des Abends gehörte der Vihuela, die musikgeschichtlich direkte Vorgängerin der Gitarre ist. Schall spielte auf ihr Werke der spanischen Künstler Enrique de Valderrabano, Alonso Mudarra und Luis de Narvaez, die Mitte des 16. Jahrhunderts ihre Kompositionen schufen. Da sie für die Vihuela ihre Musik schrieben, wurden diese Künstler "Vihuelanistas" genannt und hinterließen in sieben Drucken ihre musikalischen Schöpfungen, von denen Schall drei präsentierte.

Nach einer halben Stunde machte der Sulzbacher eine Pause, um den Musikfreunden in der Talkirche die Instrumente genau vorzustellen. So erklärte er, aus welchem Material seine Instrumente gefertigt sind, warum die Liuto Attiorbato 27 Saiten hat und wann man diese Instrumente benutzte. Ausführlich erläuterte Schall, dass seine Instrumente aus Buchenholz bestehen, die 27 Saiten weitere Basschöre enthalten, und dass sie in der Renaissance und dem Barock gespielt wurden.

Vor allem der Barock ist die Zeit der Luito Attiorbato, die eine Weiterentwicklung der Laute darstellt – und die gilt wiederum als beliebtes Instrument der frühen Neuzeit. Mit ihr gestaltete Schall den zweiten Teil des Konzerts und präsentierte den Gästen in der Kirche selten gespielte Musik aus der Spätzeit der italienischen Lautenkunst mit Stücken von Pietro Giuseppe Sandoni, Bernardo Gianoncelli und Giovanni Zamboni. Der Abend war ein Erlebnis für die Besucher, die sich auf eine ungewöhnliche Zeitreise in die Solomusik der Renaissance und des Barock begeben wollten. Auch Pfarrerin Heike Schuffenhauer, die den Abend organisiert hatte, war zufrieden. "Diese Musik passt hervorragend in das historische Ambiente der Kirche", erklärte die Pfarrerin. Das sei ihr klar gewesen, als Schall ihr die Unterlagen zukommen ließ: "Als ich sein Programm durchlas, habe ich sofort zugegriffen", so Schuffenhauer. (gro)