Harmonische Rhythmen und singbare Melodien
Frankfurter Rundschau vom 18.12.2001
Was passiert, wenn ein Mensch, der mit klassischer Musik gar nichts am Hut hat, die "Galanten Lautenduette" von Jürg Meili und Thomas Schall in die Finger bekommt? Er legt die CD ein - skeptisch. Hört die ersten Lieder - und staunt. Hört weiter - und will mehr.
Die erste CD der beiden Musiker ist eine echte Entdeckung für alle, die Spaß an ruhiger akustischer Musik haben. Sechs Komponisten, hauptsächlich aus dem 17. und 18.Jahrhundert, haben Meili und Schall ausgewählt, dazu einige Stücke von anonymen Komponisten.
In einem liebevoll gestalteten CD-Heft haben sie Informationen über die Lautenmusik zusammengetragen. Da ist etwa zu erfahren, daß der so genannte galante Stil zwischen 1720 und 1750 an deutschen Höfen populär wurde, als Alternative zum schnörkelhaften und symbolbeladenen Stil der barocken Musik. Kennzeichnend sind unter anderem langsame, harmonische Rhythmen, kurze Motive, singbare Melodien, verknüpft mit italienischen und französischen Einflüssen.
Vielleicht liegt es an der Kombination all dieser Eigenschaften, daß die galante Lautenmuisk auf eigenartige Weise zwischen den Zeiten zu schweben scheint, daß sie so erstaunlich modern klingt, ohne dabei ihr Alter zu verleugnen. Manch eines der Stücke hat sogar das Zeug zum Ohrwurm.
Die beiden Interpreten haben sich bei einem Treffen der Deutschen Lautengesellschaft in Königstein im Taunus kennengelernt. Jürg Meili, geboren in Schaffhausen, ist heute Gitarrenlehrer in St.Gallen. Thomas Schall, der in Sulzbach lebt, ist von Beruf Programmierer. Der 36-jährige kam als Gitarrenlehrer mit der Lautenmusik in Berührung. 1990 begann er, selbst zu spielen. (re)