Wege aus dem Klassik-Einerlei

Vom 19.12.2001

Von Jürgen Dehl Sulzbach. Für Leute, die auf ihren Ohren sitzen - davon gibt es gegenwärtig bedauerlich viele _ ist die CD des Lautenduos Jürg Meili und Thomas Schall, er ist Sulzbacher, denkbar ungeeignet.

"Galante Lautenduette" nennen die Musiker ihren Silberling. Darauf sind Kompositionen von Corigniani (über den vermutlichen Italiener weiß man nicht viel mehr, als dass er in einem Katalog der Verleger Breitkopf & Härtel 1761 aufgelistet ist), Adam Falckenhagen (1698 - 1754), Joachim Bernhard Hagen (1720 - 1787), Sylvius Leopold Weiss ((1687 - 1750), Johannes Gleimius (Mitte 18. Jahrhundert) und ein anonymes "Duetto in F-Dur". Es besteht aus den drei Sätzen Allegro, Adagio und Gigue.

Einst Königin der Instrumente, wurde die Laute aus dem Konzertgeschehen verdrängt. Andere Klangvorstellungen schufen sich Raum. Auch die Musik erlebte einen Sinneswandel durch und begann menschliches Seelenleben auszupinseln. Vor ein paar Jahrzehnten machten sich einige Musiker auf und suchten Wege aus dem Klassik-Romantik-Einerlei. Sie stießen auf Alte Musik und ihr berückendes Instrumentarium. Es ist noch nicht gelungen, das wohlklingende Instrument auf seinen angestammten Thron zu heben. Doch eine Arbeit, wie die vorliegende Produktion, vermag viel Raum wett zu machen. Die beiden Musiker sind offenkundig frohen Mutes ins Studio gegangen.

Hörbar wird das schon mit dem ersten Satz des "Concerto a due Luiti" vom ominösen Corigniani, einer beschwingend "Introduzzione". Herrliche Kontraste schaffen Meili und Schall in dem anonymen dreisätzigen Duetto. Spielfreudig, hüpfend und tanzend die beiden Ecksätze, verträumt und melancholisch der Mittelsatz. Die zarten, verlöschenden Triller (mit der linken Hand abgezogen) geben dem Stück einen ganz eigenen Reiz. Wundervoll entspannende Stücke sind jene von Adam Flackenhagen und Joachim Bernhard Hagen.

Die Begeisterung für die CD erfährt allerdings einen minimalen Dämpfer wegen der technischen Fertigung. Die nicht vermeidbaren Arbeitsgeräusche beim Lautenspiel sind manchmal etwas zu präsent. Bei der Nummer 6 ist zudem etwas wie ein Vorecho zu hören. Aber das ist hier nur der Ordnung halber erwähnt. Die CD gibt es bei Thomas Schall billiger als im Handel. Bei dem Musiker kostet sie 35 Mark. Thomas Schall ist erreichbar: www.lautenist.de oder Thomas.Schall@Rhein-Main.net.